Warum Tee
im Sommer?
Sobald die warmen Tage in Sichtweite rücken, sinkt der Konsum warmer Getränke drastisch. In Deutschland denken wir bei Hitze immer an Kaltgetränke, obwohl wir wissen, dass es für unseren Körper sogar besser ist, etwas Warmes zu trinken, wenn wir schwitzen. Spannenderweise wird besonders morgens häufig trotzdem zu einer Tasse Kaffee gegriffen, aber Tee kommt den wenigsten im Sommer in die Tasse. So ganz können wir gar nicht ausmachen, wieso Tee nur mit der kalten und trüben Jahreszeit verbunden wird.
Die erfrischende Alternative –
Eistee
Aber lassen wir das mal beiseite, denn natürlich ist es schön, zwischendurch etwas Erfrischendes im Glas zu haben. Limonaden, Säfte und auch gekaufte Eistees sind jedoch absolute Zuckerbomben. Wir persönlich heben uns den Zucker lieber für den nächsten Eisbecher auf. Die eigene Herstellung von kühlen Tees ist super einfach und wir erklären Euch hier einmal, was die Unterschiede sind, und wie Ihr sie schnell zuhause zubereiten könnt.
An erster Stelle möchte ich Euch den allseits beliebten Eistee nochmal genauer vorstellen. Hierbei handelt es sich um einen heiß gebrühten, abgekühlten Tee, der mit Eiswürfeln serviert wird. Auch wenn die Definition nur das beinhaltet, verbinden wir Eistee vor allem mit Süße und Deko im Glas wie Minze, Früchten oder Zitronenscheiben. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Das Schöne ist, wenn Du selbst Deinen Eistee herstellst, hast Du die Kontrolle, was und wie viel an Süßungsmittel Du verwenden möchtest.
Die Geschichte des
Eistees
Was wir inzwischen mit Eistee verbinden, kommt ursprünglich vom American Iced Tea. Iced Tea wurde während der Weltausstellung 1904 in St. Louis erfunden und macht heute rund 80 % des Teekonsums in den USA aus. Der Teehändler Richard Blechynden schenkte dort Tee aus, aber da das Wetter alle Hitzerekorde brach, wollte niemand kosten. Er besorgte sich Eiswürfel und kühlte seinen Tee herunter. So simpel und doch ein faszinierendes Getränk: Eistee.
Wie man den perfekten Eistee zubereitet
Eistee zubereitet
Besonders in den Südstaaten ist Iced Tea kulturell tief verwurzelt und klassischerweise wird er aus einem starken Schwarztee hergestellt, oft gesüßt und mit Zitrone und Minze serviert. Schwarztees eignen sich also schon mal hervorragend für diese kühle Teevariante, aber auch Früchte- und Kräutertees, sowie aromatisierte Teemischungen sind hierfür bestens geeignet. Um Eistee herzustellen brühst Du Dir einen starken Aufguss des Tees: Wenn Du einen Liter Eistee möchtest, solltest Du so viel Tee verwenden, wie für einen Liter heißen Tee, aber nur mit der Hälfte, also 500 Milliliter, an heißem Wasser aufgießen.
Nach der Ziehzeit wird der Tee mit 500 Milliliter kaltem Wasser verdünnt und dann auf Eiswürfeln serviert. Wichtig bei Eistee ist, dass er nicht im Kühlschrank gelagert werden sollte, sondern lasst ihn lieber auf dem Tisch stehen und braucht ihn an einem Tag auf. Eistee neigt im Kühlschrank nämlich dazu, Gerüche anzunehmen und wird trüb und flach. Statt Eiswürfeln könnt Ihr zum Kühlen auch wunderbar gefrorene Früchte verwenden, die anschließend noch von Euch aufgenascht werden können.
Die japanische Methode –
Flash Brew
Oder Ihr macht es mit dem in Japan entwickelten Flash Brew: Während der Tee zieht, bereitest Du Dir ein zweites Gefäß mit ungefähr 500 Gramm Eiswürfeln vor. Sobald Du den Tee auf die Eiswürfel gießt, was herrlich knistert und sofort Sommerstimmung verbreitet, tauen die Eiswürfel, der Tee wird sofort heruntergekühlt und Du erhältst am Ende durch das Schmelzwasser einen Liter Eistee mit der richtigen Intensität. Diese Variante eignet sich auch wunderbar für japanische Grüntees.
Lagerfähige kalte Tees –
Cold Brew
Lagerfähige kalte Tees sind hingegen Kaltaufgüsse, im Englischen Cold Brew genannt, oder auch bezeichnet als Mizudashi: Japanisch für Kaltwassertee. Egal welches Wort Ihr schöner findet, sagen sie doch alle dasselbe aus: Tee hergestellt mit kaltem Wasser. Durch die Kaltextraktion entfalten sich die Aromen der Tees langsamer und schonender und sie bleiben zarter und süßlicher, behalten aber trotzdem ihre Komplexität.
Durch die natürliche Süße werden hier keine weiteren Süßungsmittel benötigt und somit eignen sich Kaltaufgüsse hervorragend als Alternative zu Wasser. Aus hochwertigen Tees hergestellt und in einem schicken Glas serviert, bilden sie auch eine schöne und alkoholfreie Begleitung zum Essen. Die Zubereitung ist gänzlich einfach: Teeblätter in ein Gefäß geben, wir empfehlen circa ein Gramm Tee pro 100 Milliliter Wasser, und mit kaltem, idealerweise weichem Wasser auffüllen.
Die komplexen Aromen von Tee werden durch Kalk im Wasser stark beeinträchtigt, weswegen wir Euch generell nur ans Herz legen können, für Eure Tees gefiltertes Wasser zu verwenden. Anschließend lasst Ihr den Tee bei Raumtemperatur 30 Minuten bis drei Stunden ziehen. Oder Ihr macht es Euch ganz einfach, so wie wir, und bereitet Euren Cold Brew abends vor, stellt ihn in den Kühlschrank und habt morgens ein fertiges, kühles Getränk.
Die richtige Lagerung von
Cold Brew
Wenn Ihr den Tee mehrere Tage verwenden möchtet, dann solltet Ihr den Tee abgießen und das Gefäß wieder verschließen, damit die Teeblätter nicht nach mehreren Tagen anfangen, sich selbständig zu machen. Verschlossen und ohne Partikel kann der Cold Brew ein paar Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden. Auch Teeblätter, welche bereits heiß überbrüht wurden, können noch einen schönen Kaltaufguss ergeben. Für Cold Brews eignen sich alle orthodoxen Tees vorzüglich, besonders aus dem asiatischen Raum.
Manche intensiven Schwarztees wie Assam können jedoch durch ihren gewohnt kräftigen Charakter als Kaltaufguss enttäuschen, da sie an Körper verlieren, weshalb Eistee hier die übliche Variante ist. Am Ende ist aber natürlich alles Geschmackssache. Bestimmte Teesorten wie Knospentees oder gerollte Oolongs können sogar noch ein zweites oder sogar drittes Mal kalt infusioniert werden. Probiert Euch da unbedingt aus!
Manche gerollten Oolongs ergeben einen schöneren Cold Brew, wenn Ihr sie vorher mit ein klein wenig kochendem Wasser aufweckt, ein sogenannter Hot Flash, und sie anschließend mit kaltem Wasser auffüllt. So können sich die kleinen Teeperlen bereits etwas entfalten und das Wasser kann die Aromen besser extrahieren. Wenn Ihr aus Früchte- oder Kräutertees anstatt eines Eistees lieber einen Kaltaufguss herstellen möchtet, solltet Ihr unbedingt einen Hot Flash machen, da sie laut deutschem Lebensmittelgesetz überbrüht werden müssen.
Die besondere Methode –
Kooridashi
Last but not least haben wir noch etwas ganz Besonderes für Euch in petto: Kooridashi, oder auch Ice Drip. Diese Methode ist besonders für Schattentees wie Kabusecha und Gyokuro zu empfehlen. Ihr benötigt ein kleines Gefäß, zum Beispiel ein Kyusu, und ungefähr zwei Gramm Tee pro 100 Gramm Eiswürfel. Anstatt Wasser legt Ihr die Eiswürfel direkt auf die Teeblätter. Das Eis schmilzt über Euren Tee und extrahiert langsam alle Aminosäuren, was einen sehr intensiven Umami-Geschmack ergibt, unterlegt von einer enormen Süße. Eine Geschmacksexplosion, welche Ihr so noch nicht erlebt habt!
Bevor Ihr den Kooridashi abgießt, schwenkt ganz sanft die Teekanne, sodass sich die Essenz gut im Aufguss verteilen kann. Da diese Variante viel Zeit erfordert und immer nur wenig, dafür extrem komplexen Tee hervorbringt, können diese kleinen Tee-Shots wunderbar über den Tag verteilt getrunken werden. Energie pur! Die Teeblätter könnt Ihr anschließend noch für einen Kaltaufguss verwenden, um alles aus ihnen rauszuholen.
Profi-Tipp für
Eiswürfel
Profi-Tipp: Stellt Eure Eiswürfel aus gefiltertem Wasser her, besonders für Kooridashis und japanische Eistees macht es einen enormen Unterschied.