Klima und Katastrophen erfordern Kohle – Darjeeling und sein Marktwert

Nachdem nun endlich alle unsere 2026er First Flush Darjeelings bei uns eingetroffen sind – so spät, wie noch nie – nutzen wir diese Gelegenheit, um Euch einen kleinen Einblick in die Marktentwicklung zu gewähren und Euch teilhaben zu lassen, warum die Preisentwicklung und die Lieferzeiten sich so stark verändern.

In der Region Darjeeling, welche im indischen Bundesstaat Westbengalen liegt, wird seit Beginn des 19. Jahrhunderts, also seit über 200 Jahren, Tee angebaut. Auslöser hierfür war der Versuch der Briten, sich vom chinesischen Teeimport zu lösen. So gründeten sie große Teeplantagen in ihrem damaligen Kolonialgebiet Indien: Assam, Nilgiri und eben auch Darjeeling.

Die Darjeeling-Anbaugebiete an den steilen Südhängen des Himalayas sind mit die am höchsten gelegensten Teeplantagen der Welt. Somit herrschen hier Bedingungen, die in ihrer Einzigartigkeit die Teepflanzen sehr spezifisch in ihrem Wachstum fördern. Tagsüber sonnig und warm, durchzogen von dem Schattenspiel der Wolken, nachts durch häufigen Nebel eine deutlich kühlere und feuchte Luft, wachsen die Teepflanzen langsamer, was das Aromaprofil intensiviert. Dazu kommt der sehr mineralische Gebirgsboden, welcher ebenso einen starken Einfluss auf den charakteristischen Geschmack dieser Tees hat.

Geerntet wird hier in reiner Handarbeit, nicht nur, um die Qualität zu bewahren, sondern weil es an den Steilhängen gar nicht möglich ist, von großen Gerätschaften unterstützt zu werden. Auch die inzwischen ursprungsgeschützte Bezeichnung, das bedeutet, dass Darjeeling einen geografischen Schutz hat und nur Tee von dort unter diesem Namen vermarktet werden darf, führt zu einer natürlichen Begrenzung der möglichen Produktionsmenge. Verstärkt wird diese Problematik von günstigen Schwarztees, welche illegalerweise als Darjeelings vermarktet werden, Inflation, Landflucht, Arbeiterstreiks, zu Recht steigenden Löhnen für die Arbeitenden und die immer höheren Anforderungen an den zertifizierten Bio-Anbau, weshalb hier auch ein deutlicher Rückzug in ganz Indien zu verzeichnen ist.

Einen enormen Faktor spielt selbstverständlich auch die Klimakrise. Im Oktober 2025 gab es nach extremen Regenfällen verheerende Erdrutsche an den Steilhängen und ganze Parzellen wurden komplett vernichtet. Auch auf Seite der Arbeitenden mussten leider Verletzungen und Verluste von über 60 Menschen verzeichnet werden. Darauf folgte von November 2025 bis Februar 2026 eine Dürre, welche dann ab März wieder von zu hohem Niederschlag mit zu kühlen Temperaturen und viel zu wenig Sonne abgelöst wurde. Deshalb konnte die Ernte dieses Jahr deutlich später beginnen.

All diese Herausforderungen und die jährlich nicht mehr abschätzbaren klimatischen Veränderungen erschweren ein konstantes Angebot und beeinflussen die Stabilität des Marktes. Auch die aktuelle politische Weltlage trägt ihr übriges zu steigenden Kosten für Produktion und Transport bei.

Es wird also zunehmend schwieriger, qualitativ hochwertige Darjeelings zu finden, ganz besonders aus biologischem Anbau. Auch wenn wir für einen guten Tee gerne bezahlen, sollte der Preis aber dennoch eine gewisse Qualität widerspiegeln. Das Prinzip Angebot und Nachfrage diktiert den Preis kennt ihr sicherlich alle. Aus diesem Grund haben wir uns dieses Jahr nach dem Verkosten vieler Muster auf drei First Flushs fokussiert, welche unterschiedliche Preis-Leistungsverhältnisse abdecken und alle auch wirklich nach dem schmecken, was sie sollen - klassische First Flush Darjeelings eben.

 

Zum Abschluss haben wir hier für Euch einen kleinen Ausschnitt aus einer Nachricht eines Teeherstellers aus dem Darjeeling an uns:

„It is a strange situation and extremely challenging for a tea maker. We have never in the past witnessed this kind of weather. The green leaf is coming in wet and tends to stick to one another in the withering troughs. The ambient temperature and humidity are such that you can keep on running the withering fans endlessly without any effect on the leaves because the wet & dry bulb difference is almost nothing and this means there is no moisture being removed from the leaf. We cannot introduce hot air for the withering process in excess as that would create a risk of damaging the very fine shoots and bring in redness in the cup. So, it is a difficult balancing act to get the optimum withers without using much of hot air. Oxidation, due to the really low temperatures which this year are hovering around 10 deg. Celsius, as compared to 15 deg. Celsius, last year. If we wait for the aroma to develop further and extend the “fermentation”(oxidation) time, the cups will tend to get an extra hint of colour that we do not want.

The positive effect is that the growth of the leaves has been very slow and the essential oils have remained concentrated in the fine shoots. Gardens that have managed to wither their leaves without causing redness in the shoots, have achieved very good quality, with the cups being full of flavour.”

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